Bessunger Kammerchor und -orchester Darmstadt  

Dirigent / Künstlerische Leitung

Den Wechsel in der künstlerischen Leitung des Bessunger Kammerchores von Jörg Mangelsdorf zu Jan Hansen kommentierte Christian Knatz vom Darmstädter Echo vom 30. April 2011 wie folgt:

Zwischen Paragrafen und Phrasierung

Mit einem Konzert am 8. Mai 2011 übernimmt der Jurist Jan Hansen die Leitung des Bessunger Kammerchors

Tagsüber dreht sich Jan Hansens Welt um Urhe­berrecht, um die Vernetzung von E-Learning-Angeboten an hessi­schen Hochschulen und um vie­le Zahlen - wie es sich für den Geschäftsführer des gemeinnüt­zigen Vereins „Hessisches Tele­media Technologie Kompetenz-Center” gehört. An der Hoch­schule Darmstadt weist Hansen künftige Toningenieure auf rechtliche Fallstricke hin.

Im zweiten Teil seines Dop­pellebens aber sind ganz andere Sachen für den 49 Jahre alten gebürtigen Oberurseler wichtig: Wie phrasiert man Barockmu­sik, was unterscheidet die Lini­enführung bei Bach von der bei Brahms? Und stimmen über­haupt die Töne?

Bald führt er auch das Kammerorchester

Mit einem Konzert am 8. Mai (17 Uhr) in der Bessunger Kirche übernimmt der mit Frau und Sohn in Darmstadt lebende Jan Hansen die Leitung des Bessun­ger Kammerchors; die Arbeit mit dem verschwisterten Bessunger Kammerorchester teilt er sich noch mit Jörg Mangelsdorf, dem Gründer der Ensembles; in ab­sehbarer Zeit will sich dieser aber ganz zurückziehen.

Jan Hansen

Jan Hansen will den Bessunger Kammerchor behutsam in die Moderne führen. FOTO: GÜNTHER JOCKEL

„Es ist ein gleitender Über­gang”, sagt Hansen, der auch mit Gegensätzen offenkundig kein Problem hat. „Der Wechsel zwischen den Welten macht ein­fach Spaß”, betont er. „Man kann sich bei einem vom ande­ren erholen” - und meint damit Juristerei wie Musik.

Zu beidem gehört in aller Re­gel eine gründliche Ausbildung. Als Hansen 1985 sein Studium der Rechtswissenschaften auf­nahm, das ihn nach Bochum und später nach Düsseldorf führte, war er schon weit herum­gekommen in der anderen Welt. Von Schulchören und Klavier­spiel führte der Weg zum priva­ten Dirigierunterricht an der Staatsoper von Hannover - „aus eigenem Antrieb”, wie Hansen sagt, der als Sohn eines Ge­schäftsmanns häufige Orts­wechsel hinter sich hat.

Nach der Zeit bei der Bundes­wehr arbeitete Hansen gar als Korrepetitor in Hildesheim. „Da merkte ich aber, um wie vieles unromantischer diese Branche ist im Vergleich zu den Vorstel­lungen, die man hat”, erklärt Hansen. Er habe sich dann für eine „bürgerliche Existenz” ent­schieden, sagt der großgewach­sene Mann und hat den Schalk im Blick. Das eine zu tun, dafür steht er freilich, heißt nicht, das andere zu lassen.

So wie Hansen als Aushilfe für einen Schulchorleiter ein­sprang, so kam er auch in Bes­sungen gerade recht. Als Tenor sei er im Winter 2009 beim Chor eingestiegen, erzählt er, in der Absicht, ein, zwei Projekte mit­zumachen. Jörg Mangelsdorf ließ sich bald von ihm vertreten. Hansen: „Es war eine ungeplan­te, unerwartete Gelegenheit - ei­ne sehr gute.”

Wie Mangelsdorf zuletzt ist er ausschließlich für künstleri­sche Belange zuständig; gerade da aber sieht Hansen gar keinen Grund, alles umzukrempeln, was sein geschätzter Vorgänger gemacht hat. Lieber spricht er von „Evolution” und davon, dass sich der Bessunger Kam­merchor weiterhin intensiv den Kantaten und Oratorien des klassisch-romantischen Reper­toires widmen werde: „Das bleibt der Grundstock.” Mozarts Requiem steht ganz oben auf der Wunschliste.

Am 28. August lässt er sein Ensemble indes gemeinsam mit Marimbaspielern auf der Rosen­höhe auftreten; und ein paar mo­derne Kompositionen mehr sol­len es künftig auch sein. „Einen kleinen Spielraum gibt es”, sagt Hansen. „Den will ich nutzen.” Tonal und eingängig müsse das meiste schon sein, fügt der Fan des Neutöners Elliott Carter hin­zu. Und es solle etwas sein, das die etwa 35 Sängerinnen und Sänger wollen.

Den guten Willen glaubt Han­sen schon jetzt zu spüren. „Die Akzeptanz und Offenheit für Neues ist viel größer, als ich ge­dacht habe.” Ohne Widerstand habe er den Chor schon in einer Probe für Bachs Weihnachtsora­torium zum Tanzen gebracht. „Danach war es lockerer.”